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Rolf Strauch im ORF interview (Deutsch)

ESM
Transkript des Interviews mit Rolf Strauch, ESM Chefökonom
ORF TV (Österreich), 18. August 2018
Interviewerin: Raffaela Schaidreiter
Originalsprache: Deutsch
 
Herr Strauch, am Montag [ist] ein bedeutender Tag für Griechenland. Offiziell verlässt das Land das Hilfsprogramm der Eurogeldgeber. Wenn wir uns das zurückblickend anschauen, seit 2010 haben fünf Länder quasi über den ESM auch Geld bekommen, Hilfskredite. Griechenland steht jetzt vor einem Schuldenberg von 290 Milliarden Euro, die muss es zurückzahlen. Welches Gefühl haben Sie angesichts dieser hohen Zahl?

Also, ich hab da ein durchaus gutes Gefühl. Ich denke, dass die Griechischen Schulden durchaus zu bewältigen sind. Man muss ja bedenken, bei Schulden kommt es nicht auf die Schuldenhöhe an sich an, sondern auf den Schuldendienst, die jährlichen Zahlungen, die man dazu zu leisten hat. Das ist ähnlich, ein bisschen, wie bei ein Hauskredit, wo es ja auch darum geht, welche monatlichen Zahlungen hat man. Und in der Hinsicht muss man feststellen, dass in Griechenland der jährliche Schuldendienst niedriger ist als das in anderen Europäischen Länder der Fall ist. Dazu hat eine Reihe von Schritten beigetragen, die wir im Laufe der Zeit genommen haben. Das ist zum einen, dass Griechenland in 2012 einen erheblichen Schuldenschnitt hatte, wo private Gläubiger auf 100 Milliarden Euro verzichtet haben. Das war der größte Schuldenschnitt der Geschichte. Ein zweiter wichtiger Aspekt dabei sind natürlich auch die Konditionen zu denen wir Kredite vergeben. Und hierzu muss man sagen, dass wir zum einen niedrige Zinsen haben, und zum anderen eben auch lange Laufzeiten. Das heißt, Griechenland muss erst in einigen Jahren tatsächlich die Schulden zurückzahlen. Und insofern ist die Schuldenlast durchaus tragbar.

Es gibt ja auch ein Nachüberwachungsprogramm, das heißt ab Montag ist der Einfluss der Eurogeldgeber doch nicht ganz weg. Ein Nachüberwachungsprogramm, post- monitoring programme, das war auch in anderen Ländern so, in Zypern, Portugal, Spanien und Irland. Nur bei Griechenland soll es, so haben wir erfahren, durchaus strenger sein. Was bedeutet denn das, “strenger”?

Was immer der Fall ist, ist dass der ESM - als Institution, die die Kredite vergibt – im Laufe der Zeit, in die Länder geht und sich anschaut, ob diese Länder die Schulden zurückzahlen können. Dasselbe gilt dann auch für die Europäische Kommission, die in den Ländern ist, um halt die standardmäßige Überwachung im Rahmen der Europäischen Überwachungsmechanismen durchzuführen. Hier ist man einen Schritt weiter gegangen, hat in der Tat dieses sogenannte enhanced surveillance, ein gesteigertes Überwachungsprogramm eingeführt, um über die kommenden Jahre festzuhalten und festzustellen, ob Griechenland auch die Verpflichtungen, die es eingegangen ist, nach dem Programm weiter erfüllt, und damit im Grunde den Reformprozess, den es jetzt begonnen hat, weiterführt.

Das heißt, so ganz aus der Verantwortung ist Griechenland damit nicht?

Nein, Griechenland ist in der Verantwortung, das bleibt so. Wir sind der größte Gläubiger von Griechenland, insofern haben wir auch ein großes Interesse daran, dass wir fristgerecht zurückgezahlt werden. Griechenland steht auch in dieser Verantwortung, und wird dieser Verantwortung rechtwerden.

Vielleicht kommen wir noch mal auf die anderen vier Länder zu sprechen: Zypern, Spanien, Portugal, und Irland. Diese Länder haben die Programme bereits abgeschlossen. Wie zufrieden sind Sie mit der Rückzahlmoral?

Also, ich glaube, auch hier ist erstmal festzuhalten, dass man sagen kann, dass diese Programme funktioniert haben- insofern, dass die Länder halt diese Programme verlassen haben, und jetzt wieder selbstständig am Markt sein können, und sehr gute Wachstumsraten zeigen. Also, das ist jetzt ja auch wichtig, dass die Programme an sich funktioniert haben. Und insofern machen wir uns auch im diesen Sinne überhaupt keine Gedanken über die Rückzahlungsfähigkeit, beziehungsweise, dass wir nicht zurückgezahlt werden. Im Gegenteil, kann man feststellen, dass den Ländern sogar daran gelegen ist, uns zurückzuzahlen; wie zum Beispiel Spanien, das bereits sieben frühzeitige Rückzahlungen gemacht hat. Also, insofern sehen wir uns da in der Hinsicht auf der sicheren Seite.

Und bei Griechenland, sind Sie auch zufrieden?

Wie gesagt, auf absehbarer Zeit, sehe ich nicht, dass Griechenland uns nicht zurückzahlen würde. Wir haben für die Zeit nach dem Programm gewisse Mechanismen eingesetzt, damit halt der Reformguss weiter geführt wird. Und die beste Absicherung, die wir haben können, ist in der Tat die, dass Reformen weiter durchgeführt werden und Griechenland ein gutes Wachstum zeigt. Und daran arbeiten wir, und daran liegt auch die Verantwortung der Griechen.
 
 

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